Der “Gernenehmer”
Es ist verlockend, wenn man durch seinen Beruf oder sein Amt immer wieder in den Genuss von kleineren oder größeren Vergünstigungen kommen kann, ganz klar. Aber sollte man diesen Verlockungen nachgeben? Genau so klar: nein.
Und jemand, der zu denen gehört, die diesen Versuchungen immer wieder erlagen und weiter erlegen, scheint unser Bundespräsident Christian Wulff zu sein. Ein Kredit oder eine Urlaubseinladung von einem Freund mag als solches nicht zwingend verwerflich sein oder wirken. Aber wenn man immer wieder Verbindungen knüpfen kann zu “Gegenleistungen” für selbige Freunde, dann ist eine wichtige Grenze überschritten.
Spätestens aber, wenn man in einem hohen, ja sogar dem höchsten Amt, versucht, die Presse, mit eventuell sogar kriminellen Mitteln, zu beeinflussen und unter Druck zu setzen, dann hört in meinen Augen jeglicher Spaß und jegliche “Volksmilde” auf.
Es mag viel Klein-Klein sein, was bis jetzt ans Tageslicht gebracht wurde, aber das Bild, welches sich daraus ergibt ist ein höchst bedenkliches. Das ist ein Bild von einem Menschen, der im Amt des Bundespräsidenten eine klare Fehlbesetzung ist.
Und über die Wirkung seiner Handlungen in der Öffentlichkeit war Herr Wulff sich offensichtlich schon als Ministerpräsident sehr bewusst. Warum sonst hätte er zum Beispiel die Kreditnahme von seinem Freund Egon Geerkens auf die Weise durchführen, fast verschleiern, sollen, wie er es tat? Er lief “getarnt” über die Frau des Unternehmers und mit einem anonymen Scheck. Auch konnte er durch diesen “Trick” die Nennung des Kredites vor dem niedersächsischen Landtag vermeiden, ohne Gefahr zu laufen direkt juristisch belangt werden zu können bei eventuellem Bekanntwerden.
Und so spazierte Herr Wulff über Jahre hinweg immer wieder an dieser steilen Kante entlang. Nie wirklich “böse”, aber zu oft dem Amt des Politikers unwürdig.
Und dass er zu der Gruppe der “Gernenehmer” gehört, scheint sein Reiseverhalten zu belegen, nicht erst am Urlaubsort. Nach einem Bericht der Bild-Zeitung nahm Herr Wulff mit seiner Famile anscheinend 2007 ein “spontanes” Upgrade von der Economy-Class in die Business-Class bei der Lufthansa an. Wie dieses wirklich zustande gekommen ist, bleibt, auch ganz “wulfftypisch”, im nebulösen Raum der Halbwahrheiten und kleinen Lügen verborgen. Für dieses Upgrade hätte es, nach angaben der Lufthansa, etwa 210.000 Bonusmeilen benötigt. Dass diese Meilen rein privat zustande gekommen sind scheint zumindest etwas fragwürdig. Die Erklärung von Wullfs Anwalt Gernot Lehr wirft dazu wiederum mehr Fragen auf, als sie beantwortet. Die Bonusmeilen seien nämlich ausschließlich durch private Meilen beglichen worden, und das durch ein Konto, wie er später ergänzt haben soll, welches seit Ende der 80er Jahre besteht und ausschließlich mit der Kreditkarte der Lufthansa bezahlt wurde. Nun gibt es das “Miles & More”-Programm erst seit 1993 und die dazugehörige Kreditkarte sogar erst seit 1999. Das wirkt alles andere als transparent.
Der Bundespräsident soll weder gläsern, “freundelos” noch “heiliger” als der Papst sein. Er soll einfach nur klar, souverän, charakterfest und vertrauenswürdig sein. Keine dieser Eigenschaft kann ich bei Christian Wulff feststellen.
Und dass er offenbar vor hat, das Amt des Bundespräsidenten bis zum Schluss einfach nur auszusitzen, ist mehr als bedauerlich. Wir brauchen keinen “Gernenehmer” in diesem Amt, sondern einen, der zuerst an sein Volk denkt und erst ganz zuletzt an seine Bonusmeilen.

Leave a Reply